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Eine Rei­se nach Uganda 

Ein Gespräch mit Björn Voß und Thors­ten Hinners:

Anfang Janu­ar 2019 flo­gen die bei­den Freun­de Björn und Thors­ten zu Pas­tor Okecho Simon Peter nach Ugan­da, der als Direk­tor von Momos Gar­ten Ugan­da NGO 111 Eltern­lo­se Kin­der betreut. Lei­der sind er und „sei­ne“ Kin­der stän­dig auf finan­zi­el­le Hil­fe ange­wie­sen, um ein Min­dest­maß an Ver­sor­gung zu erhal­ten. Der Kon­takt zwi­schen Pas­tor Okecho und Björn ent­stand durch „Zufall“ (nur für den, der an Zufall glaubt), als Björn durch einen Bekann­ten von dem Pro­jekt in Ugan­da erfuhr. In Björn wuchs die Bereit­schaft, Die­se für ihn unbe­kann­te Welt aus nächs­ter Nähe zu betrach­ten. Nach­dem also der Flug gebucht war und er von sei­nem Vor­ha­ben berich­te­te, mel­de­te sich Thors­ten, der schon lan­ge gewusst hat, irgend­wann ein­mal nach Afri­ka zu rei­sen. Bei­de ver­stan­den sich sehr gut und es war eine gro­ße Freu­de für Björn die Rei­se mit Thors­ten als Beglei­ter anzu­tre­ten. Da also begann nun die 16tägige Rei­se, um sich ein Bild von der Lebens­si­tua­ti­on und den Umstän­den dort vor Ort zu machen. Hier erzäh­len Björn und Thors­ten von ihrer ein­drucks­vol­len Rei­se, den Erleb­nis­sen, den Kin­dern und ihrem All­tag, der Schu­le, dem Got­tes­dienst, der Vege­ta­ti­on und dem „ganz nor­ma­len Wahn­sinn“ eines All­tags in Uganda.

Wie ist es euch bei der Ankunft ergan­gen? Wie seid ihr emp­fan­gen wor­den? Wie haben die Men­schen, und beson­ders die Kin­der dort auf euch reagiert?

Björn:

“Bei der Ankunft haben wir sehr vie­le Kin­der ange­trof­fen, die sehr erfreut dar­über waren, uns zu sehen. Es war das ers­te Mal, dass ein „Wei­ßer“ (lan­des­sprach­lich „Musun­gu“ genannt) die­sen Ort besucht, wie uns berich­tet wur­de. Da die Kin­der dort noch nie einen Wei­ßen gese­hen haben, war die Freu­de groß. Zumin­dest für die meis­ten, denn eini­ge ganz Klei­ne hat­ten auch Angst vor uns. Die­ses war für die Kin­der ein Phä­no­men. Genau­so kann­ten sie natür­lich auch kei­ne Son­nen­creme und waren ver­wun­dert, womit wir uns eincremten.

Die Kin­der dort bewe­gen sich haupt­säch­lich drau­ßen im Frei­en, zwangs­läu­fig, denn die Häu­ser sind dort sehr klein. Das Strom­netz fällt mehr­mals am Tag, oft für meh­re­re Stun­den aus und Elek­tro­ge­rä­te, wie Kühl­schrän­ke oder Fern­se­her, sind in dem Dorf, kaum vor­stell­bar. Die Kin­der wirk­ten für uns sehr auf­ge­weckt und lebens­froh. Sie kann­ten kei­ne Lan­ge­wei­le und erfreu­ten sich an den „kleins­ten“ Din­gen. Die Kin­der berühr­ten oft unse­re Haut und stri­chen immer wie­der inter­es­siert dar­über, da sich unse­re „wei­ße“ Haut bei leich­tem Druck leicht röt­lich verfärbte.”

Thors­ten:

“Als wir uns in „Momos Gar­ten“ bei den 111 Kin­dern auf­hiel­ten, waren die Kin­der unglaub­lich anhäng­lich. Ich dach­te, es sei auch ver­ständ­lich, da sie kei­ne Eltern und auch sonst nie­man­den haben. Des­halb kom­men sie einem ziem­lich nahe und wol­len einen am liebs­ten stän­dig anfas­sen und kuscheln. Auf­fäl­lig war aller­dings auch, dass sich nicht nur die Wai­sen­kin­der so ver­hiel­ten, son­dern gene­rell alle Kin­der. Auch die Kin­der aus den Nach­bar­dör­fern, die wir auf der Stra­ße tra­fen, kamen, nah­men uns direkt an die Hand, gin­gen mit uns, lehn­ten sich an uns, oder setz­ten sich direkt bei uns auf den Schoß. Wir waren ihnen völ­lig fremd, doch hat­ten sie kei­ner­lei Berüh­rungs­ängs­te. Immer wie­der habe ich mich gefragt wor­an das lie­gen könn­te. Viel­leicht weil sie so vie­le Geschwis­ter haben? Oder ver­brin­gen die Eltern nicht viel Zeit mit ihnen? Viel­leicht haben wir die­se Zugäng­lich­keit auch aus­ge­sen­det!? Oder fehlt es ein­fach in ihrem Zuhau­se? Mir blei­ben nur Spe­ku­la­tio­nen. Es war auf jeden Fall sehr auf­fäl­lig, dass sie gera­de uns gegen­über so extrem anhäng­lich waren.

Mög­li­cher­wei­se könn­te es dar­an lie­gen, dass der „Wei­ße“ in die­sen länd­li­chen Gebie­ten als „hei­lig“ oder „reich“ betrach­tet wird, was auch erklä­ren wür­de, wes­halb uns teil­wei­se Säug­lin­ge in den Arm gelegt wurden.

Die Anwoh­ner dort sag­ten uns es sei für sie ein Sym­bol für Glück und Reich­tum, wenn das Baby auf dem Arm eines „Wei­ßen“ liegt.”

Björn:

“An einem Tag ergab es sich, dass wir an einem Haus vor­bei kamen, in dem gera­de die Geburt von Zwil­lin­gen gefei­ert wur­de. Vie­le Fami­li­en aus die­sem und den Nach­bar­dör­fern kamen zusam­men san­gen und tanz­ten. Als sie uns sahen luden Sie uns direkt ein und gaben uns die Neu­ge­bo­re­nen auf den Arm. Eine ganz beson­de­re Feier.”

Thors­ten:

“Die­se herz­li­chen Momen­te sind die genau die Erfah­run­gen, für die nur weni­ge Wor­te benö­tigt wer­den, doch die uns genau das zei­gen, was wir uns irgend­wo erhofft hat­ten zu erle­ben. Teil­zu­neh­men an einer frem­den Kul­tur, in der zwar Objek­tiv vie­les ver­schie­den zu unse­rer Kul­tur ist, die uns sub­jek­tiv doch ver­bin­det, ein­fach durch die Spra­che des Herzens.

Als sehr inter­es­sant emp­fand ich auch den ers­ten Tag, den ich immer wie­der ger­ne erzäh­le. Nach­dem wir herz­lichst begrüßt wor­den waren mit viel Gesang und Tanz gin­gen wir an einen zen­tra­len Platz, saßen zusam­men im Kreis, die Kin­der um uns herum.

Wir kamen gera­de aus dem kal­ten Deutsch­land in ein 32 Grad war­mes Land und muss­ten trotz kur­zer Hose und bar­fuß sehr schwit­zen. Das Schwit­zen aller­dings war den Kin­dern ziem­lich egal, sie fass­ten mich trotz­dem über­all an. Es hat­te mich über­haupt nicht gestört, wun­der­te mich nur dar­über dass es den Kin­dern völ­lig egal war, dass ich klatsch­nass war.”

Wenn man eure Vide­os und Bil­der sieht, die ihr mit­ge­bracht habt, hat man den Ein­druck, dass die­se Kin­der sehr glück­lich sind. Wie seht ihr das?

Thors­ten: “Die­sel­be Fra­ge hab ich mir auch gestellt. Sind die Men­schen in Ugan­da wirk­lich glück­li­cher als hier?

Die Ant­wort konn­te ich in die­sen 2 Wochen lei­der nicht her­aus­fin­den. Aber wenn man in die Gesich­ter von vor­bei lau­fen­den Men­schen in dem Dorf schaut, wir­ken die­se erst mal nicht so glück­lich. Irgend­wie ist das wie hier auch, dass alle ein biss­chen grum­me­lig schau­en, das war zumin­dest mein Ein­druck. Sobald ich ihnen aller­dings ins Gesicht geschaut habe und Ihnen ein Lächeln schenk­te, fin­gen sie auch an zu grin­sen und waren freundlich.

Wenn ich Blick­kon­takt gefun­den habe, war das manch­mal so, dass sie auf mich zuka­men, und in Kon­takt kom­men wollten.

Jetzt wür­de es mich spe­zi­ell bei den Kin­dern inter­es­sie­ren wie es ihnen geht, jetzt da wir wie­der weg sind. Als wir uns in dem Dorf und auch in Momos Gar­ten auf­hiel­ten, war das höchst wahr­schein­lich ein Aus­nah­me­zu­stand und etwas völ­lig ande­res für sie, sie haben immer fröh­lich aus dem Leben her­aus in die Kame­ra gelacht.

Aber wie ist die Situa­ti­on wenn wir nicht mehr da sind? Ich wür­de es mir sehr wün­schen, dass sie glück­lich sind, aber ich glau­be es fast nicht.”

Björn:

“Das ist eine schwie­ri­ge Fra­ge. Was ist dau­er­haf­tes Glück?

Natür­lich ste­hen wir als wei­ße dort im Mit­tel­punkt, vie­le Men­schen woll­ten irgend­wie mit uns kom­mu­ni­zie­ren. Wir haben viel Freu­de in den Gesich­tern der Kin­der erlebt, aber ob der All­tag der Kin­der immer so fröh­lich ist, weiß ich auch nicht. Wir haben ihnen bei­spiels­wei­se Fris­bees und Bäl­le mit­ge­bracht, Ihnen gezeigt wie die Rei­se nach Jeru­sa­lem funk­tio­niert und sie mit Deutsch­un­ter­richt im spo­ra­di­schen Schul­un­ter­richt unter­stützt. Zunächst mal sind es die klei­nen Din­ge die dort gro­ße Freu­den brin­gen. Auch wenn eine Infra­struk­tur auf ande­ren Ebe­nen sicher­lich sinn­voll dem dau­er­haf­ten Glück ent­ge­gen zu wirken.

Gesund­heits­ver­sor­gung, Sani­tä­re Anla­gen oder eine Matrat­ze als Mög­lich­keit für einen erhol­sa­men Schlaf fin­den wir dort nicht. Noch nicht ein­mal Räu­me die einem ein Gefühl von Schutz bie­ten könn­ten sind vor­han­den. Mei­ner Mei­nung nach hat auch gera­de wegen die­sen Lebens­um­stän­den das The­ma Kir­che, Gott und der Glau­be einen so hohen Stellenwert.

Für mich war der Got­tes­dienst von reins­ter Leben­dig­keit erfüllt und Her­zens­kräf­te die nicht erklärt wer­den kön­nen, wur­den hier erfah­ren. Es waren nicht allein die Wor­te die gespro­chen wer­den oder der Rhyth­mus der Lie­der, die Berüh­ren. Auch die Dyna­mik der Gemein­schaft oder die indi­vi­du­el­len Ener­gien der Men­schen die hier ihre Freu­de und Dank­bar­keit an das Leben selbst bezeu­gen, sind nicht aus­schlag­ge­bend für die eige­ne Erfah­rung. Es ist viel­mehr die Erin­ne­rung an das Eige­ne, Ursprüng­li­che, das was nicht gedacht oder in Wor­te aus­ge­drückt wer­den kann, was hier in Erfah­rung gebracht wer­den kann. Hier unter die­sen Mensch­li­chen Bedin­gun­gen und ohne Aus­sicht auf Ver­än­de­rung, die­se hier erleb­ten, dem Leben zuge­wand­ten Ener­gien zu bezeu­gen, das bedeu­tet für mich Afri­ka, die Wie­ge des Lebens.

Um mit dem The­ma Glück abzu­schlie­ßen, vie­le Men­schen dort fin­den Ihr Glück in ihrem dau­er­haf­ten Glau­ben zu Gott und dar­an, dass er Ihnen hel­fen und Sie unter­stüt­zen wird. Das ist mei­ne Erfah­rung und ich freue mich rie­sig die­sen Geist mit inter­es­sier­ten Men­schen zu tei­len und so die Men­schen vor Ort in Ugan­da zu unter­stüt­zen. Außer­dem ist es mir ein Anlie­gen den Aus­tausch der Kul­tu­ren zu ermög­li­chen, sodass alle Sei­ten beflü­gelt wer­den, allein dadurch indem sie sich der ande­ren Kul­tur mit offe­nem Her­zen zuwenden.”

Wel­che Bil­dung wird den Kin­dern ermöglicht?

Thors­ten:

“Als wir dort anka­men hat­ten die Kin­der dort gera­de Feri­en. Das gestal­tet sich so, dass sie 9 Mona­te am Stück Schu­le haben und 3 Mona­te am Stück Feri­en. Schu­le ist nicht wie bei uns in einem Gebäu­de, son­dern die Betreu­er die in die­sen „Wohn­häu­sern“ mit woh­nen, sind gleich­zei­tig auch die Leh­rer und leh­ren eng­lisch, Schrei­ben, Lesen, Bibel­kun­de, Sport (z.B.: Tän­ze oder Zir­kel­übun­gen). Das sind alles gewis­se Din­ge die sie ler­nen, aber weil Feri­en waren, konn­ten wir nicht sehen wie der All­tag aus­sieht, die sie Schu­le nen­nen. Was wir aber gese­hen haben war, dass sie sehr viel tan­zen. Der Tromm­ler trom­mel­te fast den gan­zen Tag und sie tan­zen stun­den­lang. Ich hab nur 5 Minu­ten durchgehalten.”

Björn:

“Eine ordent­li­che Schul­bil­dung erhal­ten die Kin­der in Momos Gar­ten eigent­lich nicht. Bil­dung ist teu­er und Geld für Bil­dung ist nicht vor­han­den, es ist ja noch nicht ein­mal genug Geld da um alle Kin­der regel­mä­ßig zu sättigen…

Das posi­ti­ve ist, dass es Men­schen dort gibt die sich den Kin­dern ver­schrie­ben haben, die Tag und Nacht mit Ihnen zusam­men leben, Ihnen das was sie wis­sen leh­ren, sie als Grup­pe vor frem­den Schüt­zen und als „gro­ße Fami­lie“ eine Gemein­schaft bilden.

Wir haben zu allen dort betei­lig­ten Men­schen einen guten Draht gefun­den und sind der Mei­nung, dass es höchs­te Zeit ist Ihnen unse­re Hand zum Woh­le aller zu rei­chen. Es gibt vie­le Berei­che wo Hil­fe drin­gend benö­tigt wird, doch lei­der ist es unse­re Erfah­rung, dass es nicht sinn­voll erscheint mate­ri­el­le Güter dort hin zu sen­den. Daher sind wir sehr dank­bar für Men­schen die uns mit regel­mä­ßi­gen finan­zi­el­len Spen­den unter­stüt­zen möch­ten, denn dies ist lei­der erst­mal die ein­zi­ge Mög­lich­keit dort sinn­voll zu hel­fen, auch wenn wir mate­ri­el­le Güter im Über­fluss zur Ver­fü­gung haben.

Unser ers­tes Ziel ist für uns nun, dass wir es schaf­fen den Hun­ger dort zu stil­len, sodass wir dann über Gesund­heits­ver­sor­gung, die Was­ser­ver­sor­gung, Mobi­li­tät, Ver­bes­se­rung der Lebens­um­stän­de (z.B. ver­nünf­ti­ge Schlaf­räu­me, sani­tä­re Anla­gen) nach­den­ken kön­nen. Bil­dung und natür­lich die berufs­vor­be­rei­ten­de Aus­bil­dung der Kin­der sind wei­te­re Anlie­gen die wir im Auge behalten.

Zum The­ma Aus­bil­dung wäre die Land­wirt­schaft her­vor­zu­he­ben, denn die­ses Land ist abso­lut frucht­bar, vie­le Gemü­se­sor­ten und Früch­te kön­nen dort ange­baut werden.

Hier­zu wird aller­dings zunächst mal ein Stück Land benötigt.

Ca. 7000Euro/​4000qm…

Wie sah der All­tag bei euch aus?

Björn:

“Meis­tens haben wir um 10.00 Uhr Orts­zeit gefrüh­stückt und anschlie­ßend ent­schie­den wie wir den Tag gestal­ten. Ent­we­der wir gin­gen zu den Kin­dern oder wir erkun­de­ten die Umge­bung, so besuch­ten wir z. B. an einem Tag den größ­ten Berg in der Nähe und erblick­ten dort den Platz der Scha­ma­nen, dort ihre Ritua­le und Fes­te fei­ern. Außer­dem besuch­ten wir unter­schied­li­che Got­tes­diens­te ande­rer Gemein­den. Ich habe auch an einer Beer­di­gung teil­neh­men dür­fen. Hier war der Vater schon vor Jah­ren ver­stor­ben und jetzt die Mut­ter im Alter von 43 gestor­ben. Die Fami­lie hat­te 12 Kin­der von etwa 1 – 13 Jah­ren, wel­che jetzt plötz­lich kei­ne Mut­ter mehr haben. Bei einem Ster­be­fall kom­men vie­le Bekann­te und Ver­wand­te aus den umlie­gen­den Dör­fern zusam­men. Sie neh­men ihre Bet­ten und Schla­fen ein paar Näch­te bei und mit den Fami­li­en. Sie sit­zen zusam­men, unter­hal­ten sich und blei­ben bei der Fami­lie. Das kann dann ein Tag dau­ern, aber auch eine gan­ze Woche oder noch län­ger. Ich hab mich dort mit den Men­schen unter­hal­ten und für Sie Gebe­te gespro­chen. Anschlie­ßend wur­de mir berich­tet, dass ich ihnen eine gro­ße Ehre war, einen wei­ßen in Ihren Rei­hen begrü­ßen zu dür­fen, der Zeit mit ihnen ver­bringt. Die Kin­der leben inzwi­schen im erwei­ter­ten Familienkreis.”

Thors­ten:

Was auch immer sehr span­nend war, waren unse­re Fuß­ball­spie­le. Nach­dem wir in unter­schied­li­chen Gemein­den an den jewei­li­gen Got­tes­diens­ten teil­ge­nom­men haben fand anschlie­ßend immer ein gro­ßes Fuß­ball­spiel statt. Die Teams setz­ten sich zusam­men aus den Kin­dern der Kir­chen­ge­mein­de und die „Poor child­ren“. Wobei ich mich bis heu­te fra­ge, was es heißt ein „Armer aus dem Dorf“ zu sein. Björn hat­te immer mit frei­en Ober­kör­per zusam­men bei den „Armen aus dem Dorf“ gespielt, was beson­ders toll aus­sah wie Björn als ganz wei­ßer mit den schwar­zen Jungs gespielt hatte!

Eine ande­re span­nen­de Sache haben wir auf einem Markt erlebt. Da waren so vie­le Früch­te und Gemü­se, das war schon sehr beein­dru­ckend zu sehen. Dort habe ich auch mei­ne zwei­te Frau ken­nen gelernt, die ich dann lei­der in Ugan­da zurück las­sen muss­te. Eine älte­re Frau, die sag­te sie wür­de mich gern hei­ra­ten und mit nach Deutsch­land kom­men. Als ich sag­te, dass ich schon eine Frau hät­te, mein­te sie das wäre egal, dann hät­te ich jetzt eben zwei. Die ande­re Frau die dabei stand, sag­te, dass sie dann den ande­ren Wei­ßen gern hätte.

Markt ist Markt

Dort habe ich auch Simon das ers­te Mal rich­tig ner­vös erlebt, als Björn mit einem Beglei­ter aus dem Dorf los ging um das Auto zu holen. Als sie dann nach einer Stun­de nicht wie­der kamen, stieg die Anspan­nung und Pas­tor Simon lief mit mir sehr ner­vös die Stra­ßen auf und ab. Nach­dem wir es dann tele­fo­nisch geschafft haben Björn und sei­nen Beglei­ter zu errei­chen stell­te sich her­aus, dass die bei­den noch Lust hat­ten shop­pen zu gehen. Einen Rasier­ap­pa­rat für die Kin­der, ein Vol­ley­ball, zwei Fuß­bäl­le und ein Vol­ley­ball­netz haben sie im Gepäck gehabt. Als Björn dann kam, sag­te er: „We are late, but not too late“, Ein Sprich­wort, wel­ches wir nur zu oft dort mit­be­kom­men haben

Habt ihr euch sicher gefühlt?

Thors­ten:

Ja, zu jeder Sekun­de. Wir waren aber auch gut beglei­tet. Ein, zwei Leu­te waren immer in unse­rer Nähe. Ich hat­te nicht eine Sekun­de das Gefühl, nicht sicher zu sein. Außer beim Auto­fah­ren, die Stra­ßen­ver­hält­nis­se dort sind mit einem Acker auf dem Feld und gro­ßen Schlag­lö­chern nur schwer Vorzustellen.

Wie ist die Vege­ta­ti­on dort?

Thors­ten:

Wahn­sinn! Alles ist mög­lich. Über Bana­nen, Man­go, Papa­ya, Avo­ca­do, Oran­gen, Zitro­nen, Kaf­fee, Kakao, Erd­nüs­sen, Süß­kar­tof­feln, Toma­ten, Gur­ken, Reis, Zwie­beln und noch viel mehr. Auch ist es mög­lich vie­le Sachen 2x im Jahr zu ern­ten. Es gibt dort kei­ne Jah­res­zei­ten so wie wir sie ken­nen, das Wet­ter ist dort immer sehr ähn­lich gleich warm, bis auf zwei Regen­mo­na­te im Jahr. Lei­der haben wir die Erfah­rung gemacht, dass die Men­schen dort für die gan­ze Natur nicht so den Sinn haben vie­les wur­de, wie bei uns auch auf dem Land, durch Mono­kul­tur kaputt gemacht. Aber man kann ihnen da kein Vor­wurf machen. Dort wo es natur­be­las­sen ist, ist es jeden­falls wahn­sin­nig grün. Wir fuh­ren durch eins der größ­ten Regen­wald­ge­bie­te Ugan­das, also noch rei­ner Urwald mit über 7.000 Pflan­zen­ar­ten. Nächs­tes Mal wer­den wir wohl auch hin­ein lau­fen, wenn wir mehr Zeit haben.

Wenn es da so grün ist, war­um ist dort so gro­ßer Hunger?

Björn:

Mein Ein­druck ist, dass die Län­de­rei­en dort vor Ort im Besitz von Groß­grund­be­sit­zern ste­hen und die­se auf ihr Allein­recht behar­ren. Es blei­ben nur noch weni­ge sehr klei­ne Grund­stü­cke übrig, die­se rei­chen nicht aus, um sich selbst und die dort leben­den Fami­li­en kom­plett zu ver­sor­gen und alle satt zu bekom­men. Die gro­ßen Grund­stü­cke dort sind über­wie­gend bewirt­schaf­tet mit Zucker­rohr Pflan­zen. Ein ande­rer Grund den ich gese­hen habe, ist zwar etwas schwer zu ver­ste­hen, aber die Men­schen die dort in klei­nem Maß­stab etwas anbau­en, bau­en nur ein bis zwei Sor­ten an, die sie dann ver­kau­fen um ein Ein­kom­men zu generieren.

Von was ernäh­ren sich nun die Kinder?

Björn:

Zum Früh­stück gibt es jeden Tag gekoch­tes Mais­mehl. Für unse­re Maß­stä­be ein schwer vor­stell­ba­res Früh­stück, aber meis­tens haben wir nichts davon mit bekom­men, weil wir erst gegen 10.00 auf­ge­stan­den sind. Mor­gens wird das Mais­mehl gekocht und mit­tags gibt es dann das glei­che noch­mal mit Boh­nen als Bei­la­ge. Meis­tens gibt es Mais­mehl manch­mal aber auch Reis. Abends gab es dann auch noch­mal das­sel­be, also Mais­mehl oder Reis mit Boh­nen. Obst gibt es in dem Gar­ten nicht, weil das zu teu­er ist. Die­ses Mais­mehl, Reis und Boh­nen sind die ein­zi­gen Nah­rungs­mit­tel die sich die Leu­te dort für sich und die Kin­der leis­ten kön­nen. Ver­ein­zelt ste­hen zwar auf man­chen Grund­stü­cken hier und da mal ein Obst­baum und soll­te da mal eine Frucht hän­gen die genieß­bar ist, wird die auch genos­sen. Die Boh­nen gibt es ohne Gewür­ze und man kann sich dann vor­stel­len wie schmack­haft das für uns ist. Als wir dort waren, haben wir dafür gesorgt, dass gewis­se Zuta­ten wie Salz, Zucker, Öl oder ähn­li­ches für alle vor­han­den waren, damit das Essen dann auch genieß­bar war. Sol­che zuta­ten kau­fen sich die Men­schen dort nur an gewis­sen Fei­er­ta­gen wie Weihnachten.

Nach eini­gen Gesprä­chen mit den Kin­dern erzähl­ten sie uns, dass es noch bis im letz­ten Jahr nur eine Mahl­zeit am Tag gab, natür­lich auch ohne Gewür­ze. Erst durch unse­re Hil­fe und die vie­len Spen­den ein­zel­ner wur­de es mög­lich dort unter­stüt­zend zu hel­fen. Das Tra­gi­sche dar­an ist, dass es jetzt inzwi­schen wie­der so aus­sieht wie im letz­ten Jahr. Aber wir schau­en, dass das mit den Spen­den wie­der anläuft und wir Men­schen fin­den, die bereit sind einen monat­li­chen Bei­trag mit den Kin­dern dort zu tei­len. Erfreu­li­cher­wei­se haben wir es geschafft einen gemein­nüt­zi­gen Ver­ein Namens Momos Kin­der e.V. hier in Deutsch­land zu grün­den, um nun rechts­si­cher hand­lungs­fä­hig zu sein.

Thors­ten:

Wenn ich könn­te, wür­de ich mit mei­ner Fami­lie mor­gen noch­mal hin flie­gen. Aber im Moment kann ich auf­grund der Krank­hei­ten dort, die Ver­ant­wor­tung mei­ner Kin­der (11, 13 Jah­re) gegen­über nicht über­neh­men. Da war­te ich noch ein paar Jah­re, bis sie das selbst ent­schei­den kön­nen. Aber ohne sofort wieder!

Wenn DU wis­sen willst, wie du Dich bei die­sem Pro­jekt enga­gie­ren kannst, wei­te­re Infos erhal­ten möch­test oder Spen­den kannst, mel­de dich ger­ne unter:

Info@​momos-​kinder.​de

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